Finanzwissen

Erste eigene Wohnung: Welche Finanzierungen helfen

7 Min. Lesezeit

Was die erste Wohnung wirklich kostet der Realitätscheck.

Die meisten unterschätzen die Kosten für den Einzug in die erste eigene Wohnung. Es ist nicht nur die Miete — es sind Kaution, Möbel, Küche, Umzug und ein Dutzend Kleinigkeiten, die sich addieren. Je nach Stadt und Anspruch landen Sie bei 3.000 bis 9.000 €, bevor Sie das erste Mal in Ihrer neuen Wohnung schlafen.

Kaution: Gesetzlich darf Ihr Vermieter maximal drei Nettokaltmieten verlangen (§ 551 BGB). Bei einer 35-m²-Wohnung in einer mittelgroßen Stadt mit rund 420 € Kaltmiete sind das 1.260 €. In München oder Frankfurt rechnen Sie eher mit 1.600–2.100 €. Was viele nicht wissen: Sie haben das Recht, die Kaution in drei gleichen Monatsraten zu zahlen. Die erste Rate ist bei Mietbeginn fällig, die beiden weiteren in den Folgemonaten.

Möbel und Erstausstattung: Wer geschickt mischt — Bett und Matratze neu, Schreibtisch und Regal gebraucht — kommt mit 1.300–2.500 € aus. Wer alles neu bei IKEA kauft, landet bei 3.000–5.000 €. Die Küche ist oft der größte Einzelposten: Eine gebrauchte Küchenzeile mit Geräten gibt es ab 500 €, eine neue Einbauküche kostet leicht 2.000–4.000 €.

Eigene Zusammenstellung auf Basis aktueller Marktpreise
PostenSparsam (Mix gebraucht + neu)Mittelklasse (IKEA-Niveau)
Kaution (3 Kaltmieten)950–1.260 €1.575–2.100 €
Erste Miete (kalt + warm)450–600 €650–900 €
Küche + Geräte500–800 €2.000–4.000 €
Schlafzimmer (Bett, Matratze, Schrank)300–500 €600–1.000 €
Wohnbereich (Couch, Tisch, Regale)200–400 €500–900 €
Bad + Haushalt (Basics, Staubsauger etc.)150–300 €350–600 €
Umzug (Transporter + Helfer)100–250 €600–1.200 €
Nebenkosten (Post, Internet, GEZ)80–105 €80–105 €

In der Summe sind das 2.700–4.200 € bei der sparsamen Variante und 6.400–10.800 € bei der komfortablen. Der realistische Mittelwert für die meisten Berufseinsteiger liegt bei etwa 4.000–6.000 €.

Dazu kommen laufende Kosten, die im ersten Monat überraschen: Strom-Abschlag (50–60 € für einen Singlehaushalt), Rundfunkbeitrag (18,36 €/Monat — die GEZ-Pflicht gilt ab der eigenen Wohnung), Internet-Bereitstellung (50–70 € einmalig) und Hausratversicherung (2–5 €/Monat). Planen Sie mindestens 150 € Puffer für den ersten Monat ein.


Dispo, Ratenkredit oder Familie ehrlich verglichen.

Wenn das Ersparte nicht reicht, stehen Ihnen mehrere Wege offen. Jeder hat Vor- und Nachteile — und der naheliegendste ist nicht immer der günstigste.

Der Dispo ist die bequemste Option: Konto überziehen, fertig. Aber er ist auch die teuerste. Der durchschnittliche Dispozins liegt laut Stiftung Warentest bei rund 10–12 %, manche Institute verlangen bis zu 17 %. Bei 3.000 € Dispo-Nutzung zahlen Sie rund 25–30 € Zinsen pro Monat — ohne einen Cent zu tilgen. Und genau das ist das Problem: Der Dispo hat keinen Tilgungsplan. Er bleibt einfach stehen, Monat für Monat. Was als kurzfristige Überbrückung gedacht war, wird schnell zur Dauerbelastung.

Ein Ratenkredit ist bei Beträgen ab 2.000 € fast immer die bessere Wahl. Die Zinsen liegen typischerweise bei der Hälfte bis einem Drittel des Dispozinses. Und Sie haben eine feste Rate mit festem Enddatum — nach 24 oder 36 Monaten ist die Sache erledigt. Ein Kredit über 4.000 € bei 7,5 % effektivem Jahreszins und 24 Monaten Laufzeit kostet Sie rund 180 € im Monat und insgesamt etwa 320 € Zinsen. Derselbe Betrag über 24 Monate im Dispo zu 11 % kostet Sie über 440 € Zinsen — und das nur, wenn Sie diszipliniert jeden Monat denselben Betrag zurückzahlen.

Die 0-%-Finanzierung im Möbelhaus klingt verlockend, hat aber Haken. Sie gilt nur für einen einzelnen Händler — wer bei drei Läden kauft, hat drei verschiedene Verträge. Jeder wird an die Schufa gemeldet. Und wer eine Rate verpasst, zahlt plötzlich die regulären Kreditkartenzinsen des Finanzierungspartners — oft 17–19 %. Bei kleinen Beträgen kann die Möbelhaus-Finanzierung sinnvoll sein. Bei der kompletten Erstausstattung ist ein freier Ratenkredit flexibler und übersichtlicher.

Geld von der Familie ist natürlich die günstigste Option — wenn sie möglich ist und wenn beide Seiten sich wohl damit fühlen. Bei kleinen Beträgen bis 5.000 € gibt es steuerlich keine Probleme (der Schenkungssteuerfreibetrag von Eltern an Kinder liegt bei 400.000 €). Trotzdem: Halten Sie auch ein Familiendarlehen schriftlich fest. Betrag, Rückzahlung, Zeitrahmen. Das schützt beide Seiten — und verhindert, dass aus Geld irgendwann ein Streitthema wird.


Wenn es Ihr erster Kredit ist für den Start.

Wer zum ersten Mal einen Kredit beantragt, steht vor einem Paradox: Die Schufa bewertet nicht nur negatives Verhalten, sondern auch fehlende Kredithistorie. Wer nie einen Kredit hatte, hat keinen Nachweis dafür, dass er einen zuverlässig bedient. Das bedeutet nicht, dass Sie abgelehnt werden — aber es erklärt, warum die Konditionen beim ersten Kredit manchmal nicht die allerbesten sind.

Etwa zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen haben laut Schufa-Daten einen guten oder sehr guten Score. Ein dünnes Kreditprofil ist kein Ausschlusskriterium — es bedeutet nur, dass der Finanzierungspartner andere Faktoren stärker gewichtet: Ihr Einkommen, die Dauer Ihres Arbeitsverhältnisses und Ihre Kontoführung.

Probezeit und befristete Verträge sind die größten Hürden für junge Kreditnehmer. Viele Finanzierungspartner lehnen Anträge während der Probezeit grundsätzlich ab, weil das Einkommen als unsicher gilt. Bei befristeten Verträgen wird die Kreditlaufzeit oft auf die Restlaufzeit des Arbeitsvertrags begrenzt. Wenn möglich, warten Sie mit dem Kreditantrag, bis die Probezeit vorbei ist oder Ihr Vertrag entfristet wurde.

Falls das zeitlich nicht passt — weil der Umzug nicht warten kann — gibt es trotzdem Wege. Manche Finanzierungspartner finanzieren auch während der Probezeit, besonders bei kleineren Beträgen. Ein Mitantragsteller (zum Beispiel ein Elternteil) kann die Chancen deutlich verbessern: Dessen Einkommen wird zur Berechnung herangezogen, und die Bonität des zweiten Antragstellers senkt das Risiko für den Finanzierungspartner. Wichtig dabei: Ein Mitantragsteller haftet gleichberechtigt — das ist keine Formsache, sondern eine echte Verpflichtung.

Ein letzter Tipp, der oft den Unterschied macht: Halten Sie Ihr Girokonto sauber. Keine Rücklastschriften, keine dauerhafte Dispo-Nutzung, regelmäßige Gehaltseingänge. Das ist kein Schufa-Thema, aber Finanzierungspartner sehen Ihre Kontobewegungen — und ein ordentlich geführtes Konto schafft Vertrauen.

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