Was sich geändert hat im Überblick.
Am 17. März 2026 hat die Schufa ihr Scoring-Modell grundlegend überarbeitet. Die auffälligste Änderung: Die Skala. Statt der bisherigen Prozentwerte (bis 100 %) gibt es jetzt einen Punktebereich von 100 bis 999. Vier Score-Klassen ersetzen die alten Risikostufen: Hervorragend (776–999), Gut (709–775), Akzeptabel (642–708) und Ausreichend (100–641).
Aber die eigentliche Neuerung liegt unter der Oberfläche. Das neue Modell basiert auf 12 offengelegten Kriterien — zum ersten Mal weiß jeder Verbraucher, welche Faktoren in den Score einfließen. Bisher war die Berechnung eine Blackbox. Zu den Kriterien gehören unter anderem das Alter des ältesten Bankkontos, die Anzahl laufender Kreditbeziehungen, ob Zahlungsstörungen vorliegen und wie lange die aktuelle Adresse besteht.
68 Mio.
Personen in der Schufa-Datenbank
12 Kriterien
jetzt offengelegt
100–999
neue Punkteskala
3 Jahre
Löschfrist für erledigte Einträge
Eine weitere wichtige Änderung: Seit März 2026 sind alle Kreditanfragen score-neutral. Das bedeutet: Egal ob Konditionsanfrage oder formelle Kreditanfrage — keine davon beeinflusst Ihren Score mehr. Konditionsanfragen bleiben zusätzlich für andere Finanzierungspartner unsichtbar, formelle Kreditanfragen sind zwar sichtbar, drücken aber den Score nicht mehr.
Für die rund 9 % der Bevölkerung mit negativen Schufa-Merkmalen bringt das neue Modell einen weiteren Vorteil: Es bewertet das aktuelle Verhalten stärker als die Vergangenheit. Wer nach einer Zahlungsstörung sein Verhalten geändert hat und seit einiger Zeit zuverlässig zahlt, wird schneller belohnt als im alten System. Die Löschfrist für erledigte negative Einträge bleibt bei drei Jahren, aber der Score erholt sich schon vorher, wenn die laufende Kredithistorie positiv ist.
Was das neue Scoring für Kreditnehmer bedeutet für Ihren Kredit.
Für Kreditnehmer ist die wichtigste Nachricht: Ein guter Score allein reicht nicht — und ein mittlerer Score ist kein Ausschlusskriterium. Die Finanzierungspartner schauen zunehmend auf das Gesamtbild: Einkommen, bestehende Verpflichtungen, Beschäftigungsdauer, Kontoführung. Das neue Scoring-Modell unterstützt diesen Trend, weil es differenzierter bewertet.
Konkret heißt das: Jemand mit einem Score von 720 (Klasse „Gut") und stabilem Einkommen kann bessere Konditionen bekommen als jemand mit 800 (Klasse „Hervorragend"), der mehrere offene Kreditlinien und einen belasteten Dispo hat. Der Score ist ein Datenpunkt — nicht das Urteil.
Die Offenlegung der 12 Kriterien hat auch eine praktische Konsequenz: Sie können jetzt gezielt an Ihrem Score arbeiten, weil Sie wissen, welche Hebel es gibt. Vorher war das Rätselraten — jetzt ist es eine konkrete To-do-Liste.
Ihren Score gezielt verbessern was wirklich hilft.
Dank der offengelegten Kriterien wissen Sie jetzt, wo Sie ansetzen können. Nicht alles lässt sich kurzfristig ändern (das Alter Ihres ältesten Bankkontos zum Beispiel), aber mehrere Faktoren haben Sie direkt in der Hand.
Rechnungen pünktlich bezahlen. Klingt banal, ist aber der stärkste Hebel im neuen Scoring. Das Modell gewichtet Ihr aktuelles Zahlungsverhalten deutlich stärker als früher. Jede pünktlich bezahlte Rechnung — Miete, Strom, Mobilfunk, Kredit — verbessert Ihren Score über Zeit. Umgekehrt wird eine einzige Lastschrift-Rückgabe sofort sichtbar. Richten Sie für alle regelmäßigen Zahlungen Lastschriften oder Daueraufträge ein.
Selbstauskunft anfordern und prüfen. Seit der DSGVO haben Sie das Recht auf eine kostenlose Datenkopie pro Jahr (Art. 15 DSGVO). Fordern Sie diese bei meineschufa.de an und prüfen Sie jeden Eintrag. Fehlerhafte oder veraltete Einträge kommen häufiger vor als man denkt — und Sie haben das Recht, deren Korrektur oder Löschung zu verlangen.
Unnötige Kreditlinien schließen. Jede offene Kreditkarte, jeder ungenutzte Rahmenkredit und jedes inaktive Konto mit Überziehungsmöglichkeit zählt als offene Kreditbeziehung. Viele Kreditlinien — auch mit Saldo null — signalisieren dem Scoring-Modell ein potenzielles Risiko. Konsolidieren Sie, wo es geht: Karten kündigen, die Sie nicht brauchen. Konten schließen, die Sie nicht nutzen.
Adresse stabil halten. Die Dauer an der aktuellen Adresse ist eines der 12 Kriterien. Häufige Umzüge — besonders in kurzen Abständen — werden im Scoring negativ gewertet. Das ist nicht immer vermeidbar (Studium, Berufseinstieg), aber es hilft zu wissen, dass Stabilität hier ein Pluspunkt ist.
Keine Panik bei Kreditanfragen. Die wohl positivste Änderung des neuen Scorings: Kreditanfragen beeinflussen den Score nicht mehr. Sie können Angebote einholen und vergleichen, ohne befürchten zu müssen, dass jede Anfrage Ihren Score drückt. Das war im alten System anders — und ist ein echtes Plus für Verbraucher, die sich informieren wollen, bevor sie sich binden.