Was Weihnachten wirklich kostet realistisch betrachtet.
Die meisten Menschen planen ein Geschenkebudget — und unterschätzen dann, was Weihnachten insgesamt kostet. Laut einer Studie der FOM-Hochschule geben Deutsche im Schnitt rund 500 € pro Person aus, wenn man Geschenke, Festessen, Reisen und Dekoration zusammenrechnet. Für einen Zwei-Personen-Haushalt sind das schnell 700–1.000 €. Familien mit Kindern liegen oft darüber.
Die Geschenke allein machen dabei nur einen Teil aus. Die EY-Weihnachtsumfrage 2025 kommt auf durchschnittlich 259 € reines Geschenkebudget pro Person — deutlich weniger als die gefühlte Belastung, weil der Weihnachtsbaum (50–60 € für eine Nordmanntanne), das Festessen, die Fahrten zu Verwandten und die Deko getrennt zu Buche schlagen.
Die eigentliche Gefahr liegt nicht in der Höhe der Ausgaben, sondern darin, wie sie finanziert werden. Laut einer Studie verschulden sich rund 10,4 Millionen Deutsche für Weihnachten über ihren Dispositionskredit. Das klingt nach einer kurzfristigen Lösung — ist es aber oft nicht: Knapp 15 % der Betroffenen brauchen länger als ein Jahr, um die Weihnachtsschulden wieder abzuzahlen.
10,4 Mio.
Deutsche nutzen Dispo für Weihnachten
~700 €
Ø Gesamtausgaben pro Haushalt
14,7 %
brauchen über 1 Jahr zur Rückzahlung
Warum der Dispo die teure Wahl ist die Rechnung, die viele nicht machen.
Der Dispo ist die naheliegendste Lösung, wenn das Konto im Dezember eng wird. Er ist sofort verfügbar, ohne Antrag, ohne Prüfung. Aber er ist auch die mit Abstand teuerste Form der Finanzierung.
Der durchschnittliche Dispozins in Deutschland liegt laut Verbraucherzentrale Hamburg bei rund 11,3 %. Bei Sparkassen sind es im Schnitt 11,7 %, bei Volksbanken 11,6 %. Der günstigste Anbieter unter den großen Direktbanken verlangt 6,25 %, der teuerste bis zu 15,6 %. Wer sein Dispolimit überzieht, zahlt noch mehr: Der sogenannte Überziehungszins liegt im Schnitt bei 13 %, in Einzelfällen bei über 19 %.
Das Problem ist nicht nur der hohe Zinssatz — es ist das fehlende Ende. Der Dispo hat keinen Tilgungsplan. Jeder Euro, der auf dem Konto eingeht, wird vom negativen Saldo aufgefressen. Viele Menschen schaffen es nicht, den Dispo aktiv zurückzuzahlen, weil laufende Ausgaben immer dazwischenkommen. Aus der „kurzen Überbrückung" wird eine monatelange Belastung.
Ein konkretes Beispiel: 2.000 € Dispo bei 11,3 % kosten rund 113 € Zinsen über sechs Monate — vorausgesetzt, Sie zahlen gleichmäßig zurück. Wenn der Saldo aber sechs Monate lang stehen bleibt (was häufig passiert), zahlen Sie die vollen 113 € nur an Zinsen, ohne einen Cent getilgt zu haben.
Derselbe Betrag als Ratenkredit über 12 Monate bei rund 7 % kostet Sie insgesamt etwa 76 € Zinsen — und nach genau 12 Monaten ist die Sache erledigt. Die feste Rate von rund 173 € verlässt jeden Monat automatisch Ihr Konto. Sie müssen sich nicht disziplinieren, nicht daran denken, nicht aktiv überweisen.
| Dispokredit (11,3 %) | Ratenkredit (7 %) | |
|---|---|---|
| Betrag | 2.000 € | 2.000 € |
| Rückzahlung | Kein festes Ende | 12 Monate, feste Rate |
| Monatsrate | Keine (offen) | ~173 € |
| Zinsen gesamt (bei 6 Mon. Nutzung) | ~113 € | ~76 € (über 12 Mon.) |
| Risiko | Saldo bleibt stehen | Automatisch getilgt |
So vermeiden Sie die Dispo-Falle für nächstes Jahr.
Der beste Kredit ist der, den Sie nicht brauchen. Und das ist bei Weihnachten realistischer, als es im Dezember erscheint — mit etwas Vorlauf.
Ab September zurücklegen. Wer ab September einen Dauerauftrag von 65 € auf ein separates Sparkonto einrichtet, hat bis Dezember rund 260 € zusammen — fast exakt das durchschnittliche Geschenkebudget. Wer schon im Juli anfängt, kommt mit 50 € im Monat auf 300 €. Das sind 2,3 % eines deutschen Medianeinkommens von 2.200 € netto — vergleichbar mit einem Streaming-Abo.
Weihnachtsgeld einplanen. Rund die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland erhält Weihnachtsgeld — im Schnitt knapp 3.000 € brutto, nach Abzügen 1.600–1.900 € netto. Wer dieses Geld bewusst für die Weihnachtsausgaben reserviert, statt es ins laufende Budget einfließen zu lassen, hat den größten Posten abgedeckt.
Gesamtkosten vorher aufschreiben. Nicht nur Geschenke — auch Weihnachtsbaum, Essen, Reisekosten, Dekoration. Die meisten Menschen überschätzen ihr Geschenkebudget und unterschätzen alles andere. Wer alle Posten einmal auflistet, erlebt im Dezember keine Überraschungen.
Wichteln statt Rundumbeglückung. In Freundeskreisen und Büros ist Wichteln (Secret Santa) mit einem Limit von 10–20 € längst verbreitet. Das senkt die Ausgaben drastisch: Statt acht Geschenke zu je 30 € (240 €) kaufen Sie ein Geschenk für 20 €. Die Variante „Schrottwichteln" kostet sogar nichts.
Erlebnisse statt Dinge. Über ein Drittel der Deutschen sagt, dass Erlebnisse ihnen wichtiger sind als materielle Geschenke. Ein gemeinsamer Ausflug, ein Konzertbesuch oder ein selbstgekochtes Essen muss nicht billiger sein — aber es fühlt sich wertiger an als das dritte Paar Socken.
Und wenn es trotzdem nicht reicht: Ein kleiner Ratenkredit über 1.500–2.500 € mit 12 Monaten Laufzeit ist fast immer die bessere Wahl als der Dispo. Die Zinsen liegen bei der Hälfte, die Rückzahlung ist planbar, und nach einem Jahr ist die Sache abgeschlossen.