Markt & Zinsen

Zinswende 2025: Was sinkende Leitzinsen für Ihren Kredit bedeuten

6 Min. Lesezeit

Was ist passiert im Überblick.

Zwischen Juli 2022 und September 2023 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins zehnmal in Folge angehoben — von 0,00 % auf 4,50 %. Es war die schnellste und stärkste Zinserhöhung seit Einführung des Euro. Der Grund: Die Inflation in der Eurozone war auf über 10 % gestiegen, und die EZB musste gegensteuern.

Für Kreditnehmer hatte das direkte Folgen. Wer Anfang 2022 noch einen Ratenkredit zu 4–5 % bekam, zahlte Ende 2023 plötzlich 8–9 % für denselben Betrag. Die hohen Zinsen machten Finanzierungen spürbar teurer — und viele Kreditnehmer verschoben geplante Anschaffungen.

Seit Juni 2024 läuft die Gegenbewegung. Die Inflation ist auf unter 3 % gesunken, und die EZB senkt den Leitzins schrittweise wieder. Bis zum Frühjahr 2025 gab es sieben Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagensatz — der für Kreditnehmer relevanteste Leitzins — liegt aktuell bei 2,25 %, mehr als 1,75 Prozentpunkte unter dem Höchststand.

4,50 %

Leitzins-Höchststand (Sep 2023)

2,25 %

Einlagensatz aktuell

7 Senkungen

seit Juni 2024

Quelle: Quelle: EZB — Schlüsselzinssätze


Was die Zinswende für Ratenkredite bedeutet für Ihren Kredit.

Der Leitzins bestimmt, zu welchen Kosten sich Finanzierungspartner bei der EZB Geld leihen können. Sinkt er, sinken mittelfristig auch die Zinsen für Ratenkredite — aber nicht sofort und nicht im gleichen Umfang. Der Weg vom Leitzins zu Ihrem Kreditangebot führt über mehrere Stationen:

Zuerst reagieren die Geldmarktzinsen — also die Zinsen, zu denen sich Finanzierungspartner untereinander Geld leihen. Dann passen die Finanzierungspartner ihre internen Refinanzierungskosten an. Und erst dann fließen die niedrigeren Kosten in die Konditionen für neue Kreditangebote ein. Dieser Prozess dauert in der Regel drei bis sechs Monate.

In der Praxis sieht das so aus: Anfang 2022 lagen die durchschnittlichen Zinsen für Ratenkredite bei etwa 4,5–5,5 %. Auf dem Höhepunkt der Zinsphase Ende 2023 waren es 8–9,5 %. Nach den bisherigen Senkungen bewegen sich die Durchschnittszinsen für neue Ratenkredite aktuell wieder Richtung 5,5–7,5 % — je nach Bonität, Laufzeit und Kreditsumme.

Ein weiterer Punkt, den viele übersehen: Sinkende Leitzinsen führen nicht dazu, dass Ratenkredite wieder so günstig werden wie 2021. Damals gab es Angebote unter 2 % — das war historisch einmalig und lag an einem Leitzins von 0 %. Das aktuelle Niveau von 5,5–7,5 % entspricht eher dem langfristigen Normalzustand für Konsumentenkredite in Deutschland.

Quelle: Quelle: Deutsche Bundesbank — MFI-Zinsstatistik


Umschuldung: Wann sich ein Wechsel lohnt rechnen lohnt sich.

Wenn Sie einen Ratenkredit aus der Hochzinsphase 2023/2024 haben, stellt sich eine einfache Frage: Ist ein neuer Kredit zu den heutigen Konditionen günstiger als der bestehende? Die Rechnung ist unkomplizierter als viele denken.

Nehmen wir ein Beispiel: Sie haben im Frühjahr 2024 einen Kredit über 15.000 € aufgenommen, Laufzeit 48 Monate, effektiver Jahreszins 9,5 %. Ihre monatliche Rate liegt bei rund 376 €, und Sie haben noch etwa 36 Monate Restlaufzeit und gut 10.500 € Restschuld.

Ein neuer Kredit über denselben Betrag und dieselbe Restlaufzeit könnte heute bei 6,5 % liegen. Das spart Ihnen über die Restlaufzeit rund 500–600 € an Zinsen. Dagegen steht die Vorfälligkeitsentschädigung, die Ihr bisheriger Finanzierungspartner verlangen darf — gesetzlich gedeckelt auf maximal 1 % der Restschuld, also höchstens 105 €. Netto bleibt eine Ersparnis von 400–500 €.

Beispielrechnung — tatsächliche Konditionen abhängig von Ihrer Situation
Alter Kredit (9,5 %)Neuer Kredit (6,5 %)
Restschuld10.500 €10.500 €
Restlaufzeit36 Monate36 Monate
Monatsrate~338 €~322 €
Restliche Zinsen gesamt~1.668 €~1.092 €
Vorfälligkeitsentschädigungmax. 105 €
Ersparnis netto~471 €

Als Faustregel gilt: Wenn die Zinsdifferenz zwischen Ihrem bestehenden und einem neuen Kredit mindestens 1,5 Prozentpunkte beträgt und die Restschuld über 5.000 € liegt, lohnt sich die Umschuldung fast immer. Bei kleineren Differenzen oder niedrigen Restschulden wird die Ersparnis durch die Vorfälligkeitsentschädigung aufgefressen.

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist übrigens gesetzlich geregelt (§ 502 BGB): maximal 1 % der Restschuld bei mehr als 12 Monaten Restlaufzeit, maximal 0,5 % bei weniger als 12 Monaten. Das ist eine harte Obergrenze — mehr darf kein Finanzierungspartner verlangen.


Jetzt handeln oder abwarten die ehrliche Einschätzung.

Viele Kreditnehmer fragen sich: Soll ich noch warten, bis die Zinsen weiter sinken? Die ehrliche Antwort: Das ist meistens die schlechtere Strategie.

Erstens weiß niemand, ob die EZB weiter senkt. Die Inflation könnte wieder steigen — durch Energiepreise, geopolitische Krisen oder Handelskonflikte. Die EZB hat mehrfach betont, dass sie „datenabhängig" entscheidet und keinen festen Kurs verfolgt.

Zweitens kosten die Monate des Wartens Geld. Wenn Sie einen Kredit zu 9 % haben und sechs Monate warten, bis die Zinsen um weitere 0,5 Prozentpunkte sinken, haben Sie in der Zwischenzeit sechs Monate lang den höheren Zins bezahlt. Bei 10.000 € Restschuld sind das rund 150 € zusätzliche Zinsen — und die mögliche Ersparnis durch die weitere Senkung liegt bei vielleicht 80–100 €. Sie verlieren also Geld durch das Warten.

Und drittens: Die größten Verbesserungen liegen bereits hinter uns. Der Sprung von 4,50 % auf 2,25 % Leitzins war erheblich. Selbst wenn die EZB noch ein- oder zweimal senkt, wird der Effekt auf Ratenkredite marginal sein — weil ein Großteil der Senkungen bereits in den Angeboten der Finanzierungspartner eingepreist ist.

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